Die zunehmende Marktdurchdringung der vom AK S&P spezifizierten Schnittstellen WBCI und S/PRI sowie deren Zusammenspiel mit der WITA erfordern ein großes Maß an Prozesskenntnis in den Häusern, die mit diesen Schnittstellen arbeiten. Trotz eines hohen Grades an Automatisierung ist ein manueller Eingriff (Clearing) unvermeidlich. Er wird immer dann erforderlich, wenn beispielsweise Meldungen ausbleiben, oder es zu Fristüberschreitungen an den Schnittstellen kommt. Die Kommunikation zwischen den beteiligten Unternehmen zur Klärung fachlicher und technischer Fragen wurde bislang nahezu bilateral definiert und war keineswegs einheitlich. Dies hat der Arbeitskreis zum Anlass genommen, diese Abläufe in einem weiteren Arbeitshandbuch zu spezifizieren und allen Marktteilnehmern zur Verfügung zu stellen.

Arbeitshandbuch Clearingszenarien (neue Version 1.8 vom  22.02.2022)

Die beschriebenen Clearingabläufe orientieren sich an den Erfordernissen des Massenmarktes für den Bereich Festnetz. Zum Anwendungsbereich dieses Handbuches zählen insbesondere Verbraucher und Kleinstunternehmen. Eine Anwendung auf Groß- und Geschäftskunden ist grundsätzlich möglich, kann aber insbesondere bei Großkunden zu abweichenden Anwendungen und Abläufen führen.

Szenario “Belegte Leitungen”

Das Arbeitshandbuch greift u.a. das Szenario “Umgang mit belegten Leitungen” auf, dem aufgrund der Komplexität eine eigenständige Spezifikation zu Grunde liegt:

Nutzung des Arbeitshandbuchs:

Der Arbeitskreis gibt an dieser Stelle einige exemplarische Handlungsempfehlungen für die kurzfristige Nutzung der Clearingspezifikation. Da ein Großteil der Clearingabläufe bereits gelebte Praxis zwischen den Unternehmen darstellt, wird an dieser Stelle auf die “neuen” standardisierten Inhalte fokussiert.

  1. Information der beteiligten Unternehmen über das Vorliegen eines Clearinghandbuchs (nicht jeder “kleinere” Endkundenprovider kennt dessen Existenz)
  2. Nutzung der im Arbeitshandbuch definierten Betreffzeilen pro Clearing
  3. Nutzung der Inhalte der Clearingtemplates

Spielregeln

  • Die Marktteilnehmer sind dazu angehalten, in den Meldeketten der Beauftragungsprozesse proaktiv Informationen und umfangreiche Statusangaben zu übermitteln, um weitere Nachfragen und Clearings zu vermeiden.
  • Es muss vor einer Clearingbearbeitung sichergestellt sein, dass vorhergehende Meldungen technisch erfolgreich übermittelt wurden (z.B. positive TEQ auf Meldung).
  • Die Abläufe in den Clearingszenarien beschreiben nur die grundsätzliche Kommunikation zwischen den Marktteilnehmern. Sämtliche interne Arbeitsanweisungen oder Ticketbearbeitung (z.B. IT-Bereinigung) werden im Handbuch nicht abgebildet.
  • Handlungsempfehlungen und Erläuterungen zu Meldungstypen in den Auftragsprozessen sind aus den dafür vorgesehenen Handbüchern zu entnehmen (z.B. die Anwendung von Meldungscodes aus den Arbeitshandbüchern WITA, S/PRI und WBCI).
  • Die dargestellten Abläufe je Clearingszenario beginnen immer mit dem Initiator (Anfrager).
  • Es dürfen keine mehrfachen Clearinganfragen zum gleichen Szenario gestellt werden.
  • Es ist zu beachten, dass die jeweilige Anfrage nur an den vereinbarten Empfänger zugestellt werden darf.
  • Eskalationen zu ausbleibenden Rückmeldungen sind nur an die jeweilige abgestimmte Eskalationsebene nach der entsprechenden Fristüberschreitung zu richten und müssen bilateral vereinbart werden.
  • Grundsätzlich gilt für jede Clearinganfrage: Der Ersteller bekommt die Antwort auf seine Anfrage immer vom ursprünglich adressierten Empfänger der Anfrage und nicht von weiteren in anderen Rollen im Prozess Beteiligten.
  • Auf automatisierte E-Mail-Empfangsbestätigungen bzw. automatisierte Rückmeldungen ist zu verzichten.
  • Um eine fristgerechte Antwort zu ermöglichen, sind die abgestimmten Bedingungen einzuhalten. (Siehe Fristen) Nach Ablauf eines Jahres, werden die hinterlegten Antwortfristen erneut durch die Arbeitsgruppe geprüft und ggf. angepasst