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Interview mit Elmar Körner, XConnect GmbH

By 23. Februar 2018Interview

Elmar Körner begleitet seit vielen Jahren mit seinem Unternehmen XConnect die Entwicklung im Telekommunikationsmarkt.

Mit ihrem Produkt- und Dienstleistungs-Portfolio WBCI, WITA, S/PRI, ICCS Rufnummenrportierung, SARV/SBV und Portierungsdaten-Service deckt die XConnect den Anbieterwechselprozess und die Rufnummernportierung vollständig ab. Produkte bieten sie sowohl als gehostete Lösung „Software as a Service (SaaS)“ als auch in der Lizenzvariante an. Die XConnect GmbH ist zum 1. September 2014 aus der Umfirmierung der vormals sms eSolutions GmbH entstanden. Die sms eSolutions GmbH wurde im April 2000 von Elmar Körner in Düren bei Köln gegründet. Seit Mai 2014 gehörte das Unternehmen zum britischen Konzern XConnect Global Networks Ltd. Die XConnect GmbH wurde von diesem im November 2017 an die Enghouse Systems Limited verkauft. Die Enghouse ist ein in Canada ansässiges Unternehmen das in Toronto an der Börse gelistet ist. Die XConnect wird nun in die Enghouse Networks integriert und zukünftig auch seinen Namen entsprechend ändern.

Herr Körner, Sie sind ein langjähriger Begleiter der Telekommunikationsbranche und ein versierter Kenner der zahlreichen Prozesse, die intern bei den Unternehmen abgebildet werden müssen. Gerade das Thema Anbieterwechsel und der Austausch von Vorleistungsprodukten sind sehr sensibel und komplex in der Handhabung. Welchen Stellenwert haben die vom Markt über den Arbeitskreis geschaffenen Schnittstellen SPRI und WBCI nach Ihrer Einschätzung?

Körner:
Bei der Kommunikation zur Leitungsbestellung über WITA gibt die Telekom die Schnittstellenbeschreibung vor. Bei WBCI und S/PRI haben wir n:n Beziehungen in welchen der Arbeitskreis in die entsprechende Rolle schlüpfen muss. Der Arbeitskreis besteht aus großen und mittleren Carriern, kleinere Carrier dürfen auch teilnehmen, haben jedoch oft nicht die personellen Ressourcen. In der Schnittstellenspezifikation fließen das Prozess-Know-how und die Erfahrungen dieser Carrier mit ein. Ohne diese Schnittstellen müssten die Carrier jeweils bilateral Schnittstellen erarbeiten. Der damit notwendige Aufwand stellt die Kosten für eine genormte Schnittstelle und deren Zertifizierung in den Schatten. Ohne die WBCI- und S/PRI-Schnittstellen würden die großen Carrier sich miteinander verbinden und den kleinen Carriern mehrere proprietäre Schnittstellen anbieten, damit würde man diesen Unternehmen quasi eine elektronische Anbindung verwehren.

 

Inwiefern haben Sie sich bei der Entwicklung der Schnittstellen eingebracht und welche Angebote unterbreitet Ihr Unternehmen an die Unternehmen hinsichtlich der Implementierung und Nutzung dieser Schnittstellen?

Körner:
Einerseits freuen wir uns, dass wir in den Arbeitskreisen die notwendigen Informationen erhalten und unsere Erfahrungen mit einbringen können, auf der anderen Seite bieten wir dem Markt die entsprechenden Schnittstellen als Lizenzsoftware oder in der Regel als gehostete Lösung an. Dadurch können wir dem Anwender maximalen Service und Unterstützung zu geringen Kosten bieten. Für die S/PRI Schnittstelle sind wir der Zertifizierer für den deutschen Markt. Wir können uns schon als Marktführer im Bereich der Schnittstellen bezeichnen, nicht zuletzt auch durch unseren Rufnummernportierungsservice.

 

Welche Entwicklungen werden in den nächsten Monaten oder Jahren das Thema Schnittstellen und Prozesse prägen? Welche Fortschritte werden wir in 2018 oder auch darüber hinaus sehen?

Körner:
Die S/PRI-Schnittstelle wird in diesem Jahr ihren Durchbruch erleben. Durch den Breitbandausbau und die staatlichen Förderungen wird FTTx den Markt beschleunigen. Somit werden sich die Anzahl der Wechselprozesse kontinuierlich erhöhen. Die WBCI- und S/PRI-Schnittstelle werden vermutlich im nächsten Jahr eine neue Major-Release erfahren um die Erfahrungen der letzten Jahre als Verbesserung einfließen zu lassen. Jedoch lässt sich die komplette Kommunikation der Carrier untereinander nicht ausschließlich über die Schnittstellen abdecken. Derzeit finden für Sonderfälle, Eskalationen und Fehler im Anbieterwechsel noch sehr viel eMail-Kommunikation statt. Hierfür haben die Carrier auch Vorgehensweisen und Workflows erarbeitet, jedoch sind diese Prozesse noch sehr arbeitsintensiv und nicht automatisiert. Zur Lösung dieser Problematik arbeiten wir derzeit an einer flexibleren Lösung. Zusammen mit den großen Carriern sind wir in einer Pilotphase unserer Ticketing-Plattform. In dieser Plattform werden alle notwendigen Szenarien abgebildet, die für diese zusätzlichen Eskalationsprozesse notwendig sind. Die Ticketing-Plattform lässt sich auch an die operativen Systeme der Carrier anschließen, was zu einer zusätzlichen Automatisierung führt. Mit den angebotenen Szenarien lässt sich ein standardisierter Ablauf umsetzen. Die Finanzierung der Ticketplattform soll zu ca. 80 % von den vier großen Carriern erfolgen. Damit soll gewährleistet werden, dass jeder noch so kleine EKP an dieser Plattform angeschlossen werden kann.

 

Haben Sie eine Anregung für die Branche oder Vorschläge, wie Hürden und Hemmnisse im Telekommunikationsmarkt besser bewältigt werden könnten?

Körner:
Am Beispiel der Ticketplattform und auch unseres EKP-Portals zeigt sich, dass der Markt auch zentrale Dienste benötigt. Bei WBCI wo fast jeder mit jedem kommuniziert, oder in Zukunft kommunizieren soll, wäre ein zentraler Dienst vorteilhaft gewesen. Damals wollten wir über das EKP-Portal für WBCI eine zentrale WBCI-Vertragsverwaltung aufbauen, leider wurde sie vom Markt nicht angenommen. Heute wäre man froh diesen Dienst nutzen zu können. Das Problem bei solchen Diensten ist in der Regel die Bereitschaft des Marktes zur Finanzierung, obwohl der Nutzen die Kosten weit übersteigt. Durch solche zentralen Dienste lassen sich Änderungen im Marktgeschehen viel schneller umsetzen, Neuerungen werden zentral einmalig implementiert und der Nutzer wird sofort durch den angepassten Workflow geführt.

 

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