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Interview mit Dr. Christian Wernick, WIK

By 20. November 2017November 22nd, 2017Interview

Dr. Christian Wernick hat an der Ludwig-Maximilians-Universität München Betriebswirtschaftslehre studiert und anschließend bei Prof. Dr. Dres. h.c. Arnold Picot am Institut für Information, Organisation und Management promoviert. Seit Oktober 2015 hat Dr. Wernick die Leitung der Abteilung „Unternehmen und Strategien“ der WIK-Consult übernommen. Die Schwerpunkte seiner Beratungstätigkeit liegen in den Bereichen Breitband, Mobilfunk, Sprachtelefonie und Digitalisierung.

 

Welchen Stellenwert haben Kooperationen nach Ihrer Einschätzung für die Erreichung der ausgerufenen Gigabit-Ziele?

Wernick: In Anbetracht der hohen Investitionen, die mit dem Aufbau von Glasfasernetzen verbunden sind, können Kooperationen einen wichtigen Beitrag leisten, um Infrastrukturen besser auszulasten, Amortisationszeiten zu verkürzen sowie Risiken zu reduzieren und damit in Summe den Glasfaserausbau zu befördern.

Welche Faktoren bringen Unternehmen in Kooperationen zusammen?

Wernick: Von Wholesale-Kooperationen können beide Seiten profitieren und im Idealfall eine Win-Win-Situation schaffen: Infrastrukturbetreiber können ein neues Geschäftsfeld erschließen und Kunden adressieren, die über ihre Eigenmarken nicht erreichbar sind. Der Zugang zu leistungsfähigen Netzen bietet Unternehmen ohne eigene Glasfaseranschlussnetze die Möglichkeit, ihre adressierbare Kundenbasis zu erhöhen und neue, hochwertigere Endkundenangebote zu gestalten.

Ist die von der EU-Kommission angeregte Deregulierung für kooperierende Unternehmen tatsächlich ein Treiber des Gigabit-Ausbaus?

Wernick: Kommerzielle Vereinbarungen sollten stets Vorrang vor Regulierung genießen. Dennoch sollten Aufsichtsbehörden auch in einer Gigabitwelt über die erforderlichen Instrumente verfügen, um im Falle von beträchtlicher Marktmacht eingreifen zu können.

Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht die für Kooperationen maßgeblichen Order-Schnittstellen wie SPRI?

Wernick: In Anbetracht einer eher kleinteiligen Angebotsstruktur im FTTx-Bereich und der damit verbundenen Vielzahl an potenziellen Kooperationspartnern sind für die Abwicklung von Geschäftsprozessen einheitliche Prozesse mit effizienten Abläufen erforderlich. Die Standardisierung von Schnittstellen hilft dabei, Transaktionskosten zu vermeiden, und kann damit die Verbreitung von Wholesale-Kooperationen befördern.

 


Hintergrund: Wer oder was ist das WIK?

1982 als Ideenschmiede des damaligen Postministeriums gegründet, hat sich das WIK – Wissenschaftliches Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste GmbH (vormals: WIK Wissenschaftliches Institut für Kommunikationsdienste GmbH) zum Think Tank und zum bedeutendsten Forschungs- und Beratungsinstitut für Kommunikationsdienste in Deutschland entwickelt. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen regulierungs- und ordnungspolitische Fragestellungen in den Bereichen Telekommunikation, Smart Energy und Post sowie seit einiger Zeit auch im Bereich Digitalisierung, Vernetzung und Internet. Mit seiner Arbeit unterstützt das WIK regulatorische Entscheidungen und bereitet konkrete politische Weichenstellungen vor. Im Bereich des Themenfeldes Digitalisierung, Vernetzung und Internet begleitet das WIK den politischen Diskurs der Verantwortlichen.

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